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Kultur- und Sportamt des Landkreises Forchheim


Synagoge Ermreuth

Wagnergasse 8
91077 Ermreuth

Besichtigung von Synagoge und Ausstellung

Öffnungszeiten:
März bis November: jeden So 14-17 Uhr geöffnet
Dezember bis Februar: geschlossen

Eintritt:
Erwachsene 2,00 Euro, Kinder 1,00 Euro

Führungen nach vorheriger Vereinbarung:
Schulklassen 15,00 Euro,  Gruppen 30,00 Euro, ab 20 Personen 2,00 Euro je Person
Für Schulklassen werden pädagogisch fundierte Führungen angeboten.

Kontaktadresse:
Dr. Rajaa Nadler
Klosterhof 2-4
91077 Neunkirchen a. Brand
Tel: 09134/705-41 und 705-13
E-Mail: synagoge@neunkirchen-am-brand.de

Aktuelles Programm der Synagoge   


Informationen aus dem offiziellen Faltblatt der Gemeinde zur Synagoge:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Wann genau die ersten Juden nach Ermreuth kamen, ist nicht nachweisbar, möglicherweise nach der großen Vertreibung aus der Reichsstadt Nürnberg im Jahr 1498/99. Die erste schriftliche Erwähnung von Juden in Ermreuth stammt aus dem Jahr 1554.

Bei den ritterlichen Landsherrn in Ermreuth fanden einige der vertriebenen Juden gegen Zahlung von Schutzgeld Zuflucht. Diese vereinzelten Juden bildeten den Grundstock für die Anfang des 18. Jahrhunderts entstehende Kultusgemeinde mit Memorbuch. Im Jahr 1711 wurde der Friedhof angelegt, 1738 die erste Synagoge erbaut.

Ihre Blütezeit erlebte die Gemeinde indes erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1822 wurden in der Judenmatrikel 35 Familienväter, 124 Kinder, ein Witwer und ein Lediger registriert, so dass man samt unerwähnten Ehefrauen 194 Personen zählte.

1832 betrug die Zahl der christlichen Familien 98, die der jüdischen 38, insgesamt 187 Personen, ein gutes Drittel der Gesamtbevölkerung. 1843 wurden 43 jüdische Haushalte registriert. 1915 bestand die israelitische Kultusgemeinde nur noch aus 10 Mitgliedern. Im Jahr 1933 gab es nur noch 5 Haushalte mit insgesamt 21 Personen im Ort.

Die Haupterwerbstätigen der jüdischen Gemeindemitglieder beschränkten sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Vieh-, Hausier- und Schnittwarenhandel, ehe um die Mitte des Jahrhunderts neue Erwerbszweige hinzukamen. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in Ermreuth ansässigen Juden betrieben Vieh-, Schnittwaren- und Hopfenhandel.

Die Nacht des 9. November 1938 ging auch an den Ermreuther Juden nicht spurlos vorbei. Die 1822 erbaute Synagoge wurde stark beschädigt, ebenso die jüdischen Privathäuser. Noch im Jahr 1939 gelang es einer jüdischen Familie aus Ermreuth in die USA zu fliehen. Die übrigen 15 Personen jüdischen Glaubens mussten ihren Wohnsitz nach Nürnberg in vorherbestimmte Unterkünfte verlegen, ehe sie später in Konzentrationslagern ums Leben kamen.

Nach 1874 wurden die Juden vollständig in das Gemeindeleben integriert. Sie waren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des Gemeinderates sowie der Soldatenkameradschaft.

Heute dokumentieren der jüdische Friedhof, das ehemalige Schulhaus, viele der ehemaligen jüdischen Wohnhäuser, die wiederhergestellte Synagoge und eine in ihr präsentierte Dauerausstellung das ehemalige Leben und Wirken der Juden in Ermreuth.

Die Ermreuther Synagoge

Als eine der bedeutendsten Dorfsynagogen in Oberfranken präsentiert sich die von Maurermeister Conrad M. Wörner im Jahre 1822 mit einem Kostenaufwand von rund 10.000 Gulden erbaute Ermreuther Synagoge. Durch sie wurde die erste an dieser Stelle erbaute kleinere und bescheidenere Synagoge aus dem Jahre 1738 ersetzt.

In der Pogromnacht des 9. November 1938 wurde die Ermreuther Synagoge - wie viele andere auch - geschändet, Einrichtungen und Ritualien zertrümmert. Dank der engen Bebauung wurde das im Ortskern gelegene Gotteshaus kein Raub der Flammen. Bis zum Zusammenbruch des Nationalsozialismus blieb die Synagoge im Besitz der mittlerweile nicht mehr existierenden Kultusgemeinde Ermreuth. Am 23 Juni 1948 ging das Besitzrecht der Synagoge auf die Jewish Restitution Successor Organisation (JRSO) in New York über.

Am 31. August 1953 wurde das Gotteshaus dem Freistaat Bayern übereignet. Dieser verkaufte es am 21. April 1954 an die Raiffeisenbank Ermreuth. Bis zu seinem Weiterverkauf am 1. März 1974 an den Markt Neunkirchen am Brand wurde es als Lagerraum für wirtschaftliche Maschinen u.ä. zweckentfremdet und erfuhr massive architektonische Veränderungen.

Im November 1989, 51 Jahre nach der Pogromnacht, gründeten der Landkreis Forchheim einen Zweckverband zur Sanierung und Erhaltung dieses Bauwerkes. 1992 wurde mit der Restaurierung des Hauses begonnen. Am 19. Juni 1994 fand die feierliche Wiederweihe des Gotteshauses statt. Die Restaurierung wurde anhand von Befunduntersuchungen, Jugenderinnerungen jüdischer und Ermreuther Mitbürger, sowie einiger Archivalien so gut als möglich, getreu dem Original, vollzogen.

Die wiederhergestellte Synagoge und ihre künftige Nutzung
Im Jahr 1988 wurden von einem Architekturbüro die Gesamtkosten der Restaurierung auf 685.000 DM geschätzt, beliefen sich am Ende aber auf insgesamt 1,2 Millionen DM. Diese Geldmittel wurden vom Landkreis Forchheim, dem Markt Neunkirchen am Brand, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Oberfrankenstiftung und der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen aufgebracht.

Auf der Empore der Synagoge und im Treppenhaus wurde anlässlich der Eröffnungsfeier eine Dauerausstellung für die Dokumentation des jüdischen Lebens auf dem Lande am Beispiel Ermreuth eingerichtet. Alle ausgestellten wertvollen Papier- und Textilienobjekte stammen vom Dachboden dieser Synagoge - aus der sog. "Genisa" - und geben neben Texttafeln, Photos und anderen Gegenständen Aufschluss über den kulturellen und religiösen Geist der Ermreuther Judengemeinde.

Als Ort der Begegnung, des Dialogs, der Versöhnung, der Kultur, der Toleranz und der Besinnung öffnet sich die Synagoge der gesamten Bevölkerung. Bei der Nutzung dieses Hauses wird u.a. mittels der gezeigten Ausstellung Gewicht auf die schulische und politische Bildung, auf die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte und der jüdischen Religion - als die Wurzel des christlichen Glaubens - sowie die Rolle der Juden innerhalb des deutschen Kulturraums gelegt. Neben diesem pädagogischen Aspekt eignet sich die Synagoge aber auch sehr gut für verschiedene dem Geist dieses Hauses entsprechende kulturelle Veranstaltungen. Dies umzusetzen, ist Intention und Aufgabe der Verantwortlichen. Als Veranstalter treten vor allem der Zweckverband Synagoge Ermreuth, der Träger dieses Hauses, Kulturvereine sowie Privatleute und biblische Arbeitsgemeinschaften auf.

Interessenten können sich bei der Verwaltung der Marktgemeinde Neunkirchen am Brand, Tel. 09134/7050, nach Terminen und Bedingungen erkundigen.

Der jüdische Friedhof von Ermreuth
Versteckt zwischen Obstgärten und Waldungen liegt ca. 2km nördlich von Ermreuth an einem steilen Hand der jüdische Friedhof. Er bildet ein unregelmäßiges Dreieck mit einer Gesamtfläche von 2640 m2. Der Bestattungsort wurde 1711 angelegt. Die stetig wachsende Anzahl der Gemeindemitglieder führte in den Jahren 1797 und 1864 zu deutlichen Erweiterungen der Anlage.

Der Ermreuther Judenfriedhof war kein Zentralfriedhof für verschiedene jüdische Gemeinden im Umland, sondern ausschließlich der Kultusgemeinde Ermreuth und den in ihr diensttuenden oder vorübergehend wohnenden Personen vorbehalten. Er ist heute Eigentum des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und steht unter der Aufsicht der Marktgemeinde Neunkirchen am Brand.

Führungen auf dem jüdischen Friedhof sind im Frühjahr, Sommer und Frühherbst für Gruppen nach Voranmeldung möglich. Interessenten wenden sich bitte an die Gemeindeverwaltung Neunkirchen.

Informationen, Wortlaut und Bilder aus dem Faltblatt der Gemeinde Neunkirchen am Brandzu erhalten bei der Gemeindeverwaltung Tel. 09134/7050

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