Strom ernten über Kirschen: Agri-PV Anlage am Obstinformationszentrum bei den Bayerischen Energietagen
Im Rahmen der Bayerischen Energietage veranstaltete der Landkreis Forchheim am Obstinformationszentrum Fränkische Schweiz (OIZ) einen Agri-PV Infonachmittag. Ziel der bayerischen Energietage ist es, jedes Jahr gute Beispiele zur Energiewende sowie innovative Ansätze zur Energieerzeugung oder Energieeffizienz vorzustellen und vor-Ort erlebbar zu machen. Am OIZ letztes Jahr eine Agri Photovoltaik-Modellanlage in Betrieb gegangen.
Die aufgeständerte Anlage mit einer Leistung von 25 Kilowatt-Peak (kWp) erzeugt Solarstrom – und darunter wird weiter Obst produziert: In einem mehrjährigen obstbaulichen Versuch wird untersucht, wie sich die teilweise Überdachung durch die Module auf Ertrag, Fruchtqualität und Pflanzengesundheit von Süßkirschen auswirkt. Landrat Hanngörg Zimmermann freute sich, dass der Landkreis zusammen mit der Regierung von Oberfranken eines der guten Beispiele für Nordbayern präsentieren konnte: „Wir müssen mit innovativen Ansätzen in der Energiewende weiterkommen, mit der Agri-PV Anlage beweist der Landkreis: Es funktioniert.“ Rainer Prischenk, Bereichsleiter Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Oberfranken, betonte: "Mit der Agri-Photovoltaik wird eine mehrfache Nutzung der Flächenermöglicht, denn Sie verbindet die landwirtschaftliche Nutzung mit dem Betrieb einer Photovoltaikanlage. Das könnte die Flächenproblematik entschärfen."
Als Experte für Agri-PV war Daniel Eisel vom Technologie- und Förderzentrum Bayern (TFZ) geladen, er führte aus, dass die Module so hoch aufgeständert und so angeordnet sind, dass Pflege und Erntearbeiten mit praxisüblicher Technik möglich bleiben. Die Anforderungen an eine solche Doppelnutzung beschreibt die DIN SPEC 91434. Die Anlage in Hiltpoltstein ist als hochaufgeständerte Anlage der Kategorie I ausgeführt. Gerade im Obstbau ist der Ansatz naheliegend. Viele Kulturen werden ohnehin überdacht, denn Süßkirschen reagieren empfindlich auf Witterung: Regen kurz vor der Ernte lässt die Früchte platzen, Hagel und Sonnenbrand mindern die Qualität, die Kirschessigfliege setzt den Beständen zu. Eine Überdachung kann hier mehrfach wirken. Im Rahmen seines Vortrages berichtete Eisel auch von vertikalen Anlagen und weiteren Bedachungssystemen, vom Gemüseanbau bis hin zum Weizenanbau. Besonders eindrucksvoll waren dabei die Bilder von GPS-gesteuerten Ernte- und Bearbeitungsmaschinen, die mit nur wenigen Zentimetern Abstand entlang der Photovoltaikkonstruktion fuhren. Interessiert waren die Gäste auch an den Vergütungschancen der Anlagen. Eisel zeigte hierzu auf, dass zwischen durchaus komplexen Vergütungsverfahren unterschieden werden muss und eine individuelle Betrachtung daher notwendig ist. Größe und insbesondere die Lage der Landwirtschaftsfläche aber auch das Vorhandensein von Stromkunden oder Netzverknüpfungspunkten, beeinflusst das Betriebsmodell.
Paul Katterbe, Leiter der Abteilung Agri-PV, beim Systemhersteller T-Werk GmbH, konnte aus den Erfahrungen bei der Errichtung von Agri-PV Anlagen berichten. Prinzipiell sind die Agri-PV Systeme den Freiflächenanlagen ähnlich. Wegen der hohen Aufständerung und anderer Anforderungen an die Statik, sind Agri-PV Anlagen deutlich stärker gebaut und werden tiefgründiger verankert. Bei der Wahl der Module kommt es auf das Optimum zwischen landwirtschaftlicher Notwendigkeit und maximaler Stromernte an.
Jonas Maußner, Betriebsleiter am OIZ, konnte nach knapp einem Jahr Versuchszeitraum erste Erkenntnisse präsentieren: „Wir sehen eine hohe Anpassungsfähigkeit der Kirsche unter der Anlage, der Pflanzenstoffwechsel ändert sich, insbesondere beim Chlorophyll. Wir werden die nächsten 3-4 Jahre sehen, ob sich die Ergebnisse erhärten.“ Eine wesentliche Beobachtung ist auch: An den Früchten unter der PV gibt es weniger Fruchtschäden, sowohl beim Fraß, also auch beim Hagel. Maußner stelle auch dar, dass durch die Agri-PV Anlage wesentliche Mengen an Regen aufgefangen werden können und durch den verbundenen, saisonalen Regenwasserspeicher, eine zielgerichtete Bewässerung der Obstanlagen möglich ist.
Mit der Modellanlage am OIZ kann sich die Dienststelle des Landratsamtes bilanziell selber mit Strom versorgen, der verbaute Batteriespeicher fungiert dabei als Puffer um den PV-Strom auch für Kühlanlagen und andere Anwendungen bereitzustellen.
Forchheim, 28.07.2026
Pressestelle